Hansa Segel - eine kleine Schimmelkunde

Im Käse ein Genuß,

im Boot ein Graus: Während Schimmel auf dem Camembert ein willkommener Gast ist, wird er auf anderen Oberflächen mit allen Mitteln bekämpft. Zu Recht, denn nicht alle Arten sind so segensreich wie Penicillium. Einige greifen die Gesundheit an, andere das Bootsmaterial. Mit einfachen Maßnahmen läßt sich die Gastfreundschaft weitgehend einschränken.

Um es vorweg zu nehmen: Schimmel ist kein systematischer Begriff! Es ist lediglich eine Sammelbezeichnung für Pilze mit oberflächlich wachsenden Mycelien. Der Biologe bezeichnet damit den weißlich-durchscheinenden, aus fädigen Zellschläuchen gebildeten eigentlichen Pilzkörper. Dieser bildet Fruchtstände, die dem Schimmel das samtartige Aussehen verleihen. Während der Blüte werden unzählige, mikroskopisch kleine Sporen durch die Luft verteilt, um andernorts neue Mycelien zu bilden - (der) Schimmel breitet sich aus.

Wenn Pilze grün wären, müßten sie keine Persenninge essen. Im Gegensatz zu grünen Pflanzen sind Pilze nicht in der Lage, Sonnenlicht als Energiequelle zu nutzen und aus Kohlendioxid und Wasser Biomasse zu bilden. Sie brauchen zum überleben Kohlenstoff aus organischen Materialien. Das sind Blätter, Holz und Haut, aber auch Öl, Plastik, Segel und Persenningstoff. Sie sind dabei ausgesprochen anspruchslos. Selbst Vergütungsschichten von Kameraobjektiven werden von einigen Arten als Nahrung akzeptiert.

Hefe, Halimasch, Champignon und Schimmel haben Zellwände aus Chitin, der dem Panzer der Insekten ähnelt. Die Zellulosewände von Pflanzen verspeisen sie gern, und Baumwolle besteht aus Zellulose. Während sie im Wald ihre wichtige biologische Funktion erfüllen, stürzen sie manch stolzen Besitzer einer Kuchenbude in Depressionen.
Fußpilz gedeiht nicht in nassen Wänden, der schwarze Hausschimmel nicht zwischen den Zehen. Nach Erscheinungsbild und Vorkommen lassen sich über 100 Schimmelsorten unterscheiden. Penicillium camenberti zeigt in seinem Namen, wo er sich wohlfühlt und wohltut. Andere Arten sind weniger harmlos: Sie können allergische Reaktionen wie Asthma, Nesselfieber und Heuschnupfensymptome auslösen, wobei die Ursache oft lange unentdeckt bleibt. Aspergillus-Arten, zu denen auch der schwarze Hausschimmel gehört, können zu schweren Lungen und Bronchialerkrankungen führen.

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Schimmel liebt es feucht und warm. Falsche Konstruktion, unzureichende Isolierung, mangelhafte Belüftung und falsche Materialien begünstigen die Schimmelbildung unter Deck. Ein Rundblick in der Kuchenbude Persening usw mancher Boote zeigt die Realität: verspakte Decken, Stockflecken an Lederverstärkungen und Nähten, Scheibeneinfassungen und Verstrebungen. Auch an Deck ist Schimmel ein Thema.

Tuche sind im Bordalltag allgegenwärtig. Während die einen als Segel dienen, schützen andere Boot und Crew vor Schmutz, Feuchtigkeit und UV-Strahlen. Immer gilt: Wasser muß von den Tuchen abfließen können. Stockflecken auf der Persenning sind ein Zeichen für Pilz- oder Bakterienbefall. Sie entstehen durch Wasserpfützen, die über längere Zeit Feuchtigkeit in dem Gewebe halten. Diese "Wassersäcke" können durch eine falsche Schnittführung oder Abspannung entstehen. Abhilfe müßte hier der Segelmacher/Persenningspezialist mit zusätzlichen Verstrebungen schaffen. Durch eine höhere Anzahl von Ösen läßt sich der belastete Bereich effektiver abspannen und die Kraft auf die einzelne Öse vermindern.
Bei Sprayhoods und Kuchenbuden verhindert ein abgerundeter Bau die Pfützenbildung. Mit der richtigen Tuchspannung werden Wasseransammlungen zwischen den Gestängen vermieden. Dabei darf die Spannung nicht so hoch sein, daß sich die Einstichlöcher an den Nähten ausweiten. Das würde bei unelastischen Materialien zu neuen Leckagestellen führen. Die Verbindung zwischen Tuch und Scheiben sollte so genäht sein, daß sich dort keine Taschen bilden, in denen sich Feuchtigkeits- und Schmutznester bilden können.


 Was bei Sprayhoods selten problematisch ist, verlangt bei Persenning und Kuchenbude mehr Beachtung: Die Kondenswasserbildung unter der Plane. Dieses Schwitzwasser bildet sich bei hoher Luftfeuchtigkeit und thermischer Differenz zwischen Luft und kühlerer Oberfläche. Tagsüber erwärmt sich die Luft unter der von der Sonne aufgeheizten Plane und nimmt vermehrt Feuchtigkeit auf, die sie abends, beim Abkühlen, an die nun kalte Abdeckung abgibt. Ist die Luftzirkulation durch eng anliegende Persenninge oder mangelnde Belüftung in der Kuchenbude eingeschränkt, reichert sich die Feuchtigkeit im abgedeckten Bereich an.

Dieser "Treibhauseffekt" ist ein Eldorado für Pilze. Gerade in der feuchten Jahreszeit, im Frühjahr und Herbst, ist die Belastung der Luft durch Schimmelsporen am höchsten. Luftfeuchtigkeit über 70 Prozent und Wärme lassen diese Sporen auf der permanent nassen Plane reichlich keimen. Luftaustausch ist hier der einzig wirksame Weg, Schimmel zu vermeiden. Eine wirkungsvolle Methode, die Persenning zu hinterlüften, ist, sie lediglich bis zum zweiten Durchzug über die Seereling laufen zu lassen. Sie ist hier gut zu spannen, um Pfützenbildung an der Relingkante zu verhindern. Durch die offenen Seiten ist allerdings ein Teil des Decks der Witterung ausgesetzt. Soll die Persenning bis an das Deck gezogen werden, könnten Abstandshalter zwischen Plane und Rumpf den Luftaustausch gewährleisten. Solche Konstruktionen sind jedoch schon beim Zuschnitt der Persenning zu berücksichtigen. Endgültig in den Schwitzkasten genommen wird das Boot, wenn die Persenning zum Schutz der Bordwand bis auf die Wasserlinie herabgezogen wird.

Aufgenähte Lufthutzen müssen groß bemessen sein, um auch bei wenig Wind und geringen Temperaturdifferenzen Wirkung zu zeigen. Dies führt jedoch zu Stabilitätsproblemen bei Starkwind. Kleine Lüfter mit langen regensicher geformten Vordächern fördern nach Ansicht einiger Planenhersteller lediglich den ruhigen Schlaf des Besitzers.
Während bei den baulichen Maßnahmen noch weitgehend Einigkeit herrscht, scheiden sich bei den zu verwendenden Tucharten die Geister: atmen oder abdichten, beschichtet oder offenporig?


PVC-Beschichtung macht die Plane steif und schwer. Die dicken, beidseitig beschichteten Lastwagenplanen werden sich im Yachtbereich wegen der unattraktiven Oberfläche nicht durchsetzen. Die Vollacryl- oder Polyesterstoffe sind heute im Sportbootbereich führend, wohl auch durch die geringeren Materialkosten.

Warum ist Imprägnierung so wichtig? Sind da etwa Fungizide drin? Die Frage nach schimmelhemmenden Stoffen öffnet ein weites Feld, gepflastert mit schweigsamen Chemikern. Das Umweltbundesamt kennt den Grund: Es gibt in Deutschland keine Zulassungspflicht für Biozide, wenn sie außerhalb des landwirtschaftlichen Bereiches verwendet werden. Alle Stoffe, die nicht ausdrücklich durch die Chernikalienverbotsverordnung untersagt sind, könnten, mehr oder weniger wirksam, auf den Planen und schließlich in unseren Meeren auftauchen. PCP-Zugabe auch heute noch eine Frage der Konzentration? Neben Pentachlorphenol zeigen unter anderem Dichlofluanid, Triazole und bestimmte TetraalkylAmmoniumsalze fungizide Wirkung. Auf den Listen der Inhaltsstoffe sucht man sie vergebens. Da steht dann höchstens: Wirkaktive Substanzen das entlastet auch Skippers Gewissen. Am 14. Mai 1998 trat europaweit die neue Biozidrichtlinie in Kraft. Danach werden alle Inhaltstoffe nach Einsatzzweck neu bewertet. Auch wenn diese Richtlinie in spätestens zwei Jahren in nationales Recht umgesetzt ist, wird sich so schnell nichts ändern. Es besteht Bestandsschutz - für maximal zehn Jahre.
Ein verantwortlicher Umgang mit Imprägniermittel ist also geboten. An Falten, Nähten und ausgebesserten Stellen reicht oft das Nachimprägnieren vom Fachmann. Für die Reinigung und Schimmelbeseitigung gilt ähnliches. Waschen und anschließend Bleichen ist bei vielen Reinigungen üblich. Chlorgebleichte Tuche sehen einfach sauberer aus und verboten ist es auch nicht. 
Denen, die, immer noch nicht einsehen, daß nasse Stoffe, welche auch immer, nicht zusammengerollt und weggepackt werden dürfen, hilft nur eine größere Toleranzschwelle gegenüber Stockflecken. Da auch die Antipilz-Mittel nicht ganz harmlos sind, ist Schimmel zu vermeiden allemal sinnvoller, als ihn später zu bekämpfen.

 

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