In der vierten Generation Segelmacher

In vierter Generation unter Segelnpvc plane

Für Kay Howold ist das ganze Jahr über Saison. Der Segelmacher hat in diesem Jahr schon viele Segel flott gemacht, sein Hauptgeschäft sind jedoch Sprayhoods, Persenninge und Planen.

Neues Berufsfeld: Kay Howold bessert eine PVC-Plane aus

Die Wege des Herrn sind unergründlich und können schon mal dazu führen, dass König Wilhelm II. von Württemberg etwas mit Kay Howolds Jeans zu tun hat. Oder umgekehrt. Dazu muss man ein Jahrhundert in der Geschichte zurückgehen. Besagter König hatte eine Segelyacht im Hafen von Travemünde liegen, und ein gewisser Wilhelm Howold arbeitete für ihn als Segelmacher. Nachdem Kaiser und Könige abdanken mussten, übernahm Wilhelm Howold 1920 eine eigene Segelmacherei in Travemünde. 1939 stieg sein Sohn Hans als Teilhaber ein, der Grundstein zum Familienbetrieb war gelegt.1949 expandierte die Firma weiter, als Hans Howold Junior eintrat und eine Filiale in Lübeck eröffnete. 1956 zog man ganz nach Lübeck und änderte den Namen in Hansa-Segel-Zelte. 1972 wurden die Räume an der Untertrave zu klein, die Firma zog nach Stockelsdorf, und hier kommen nun langsam die Jeans ins Spiel.

traditionSegelmacher machen kaum noch Segel

„Als Kind und Teenager war ich oft in der Werkstatt", erzählt Kay Howold. Es ist die Werkstatt in Stockelsdorf, in der er heute noch arbeitet. Im kleinen Büro sitzt er im weißen Overall, seiner Dienstkleidung. Der 51-Jährige mit jungenhafter Ausstrahlung erinnert sich an die 1970-er Jahre, als das Geschäft brummte und die Maschinen summten, bis zu 20 Näherinnen waren damals angestellt. Und sie haben nicht nur Segel genäht, sondern auch Zeltplanen und zeitweise sogar Damenkleidung. Kay hatte das Geschick zum Nähen, half ab und zu und verdiente ein kleines Taschengeld. Und wenn eine Jeans nicht so richtig saß - für Jugendliche der größte anzunehmende Unfall -, konnte er sich selber an die Maschine setzen und sie zackzack enger oder kürzer nähen. Ziemlich cool damals.

Auf dieser Holzbank hat schon sein Urgroßvater gesessen:
Kay Howold mit einem Übungssegel für sein Meisterstück.
 

Jedenfalls lag es nahe, dass er dieses Talent dann auch zu seinem Beruf machte und die Familientradition fortsetzte. 1979 begann er seine Ausbildung, „aber nicht bei meinem Vater, das wollte er nicht". Also ging er in die Lehre bei Detlef Schlott in Altona und hatte schon nach zwei Jahren seinen Gesellenbrief in der Tasche - als Landes- und Bundesieger. Und dann ging alles recht schnell: 1981 heuerte er in der elterlichen Firma an, 1986 bestand er die Meisterprüfung als Segelmacher und 1990 übernahm er das Ruder im Betrieb. „Mein Vater ist dann komplett ausgestiegen. Einer kann schließlich nur das Kommando haben."

Segelmacher, das klingt nach Wind und Wellen, salziger Luft, Möwengeschrei. Nach Weite und Freiheit. Die Realität sieht weniger romantisch aus. In einer großen Halle liegen Planen, stehen Regale mit verschiedenen Garnen und übergroße Nähmaschinen. Howolds Segel-Saison beginnt Anfang des Jahres, wenn Bootsbesitzer ihre Segel zum Ausbessern und Reinigen bringen. Etwa 40 Segel und Persenninge hat er zusammen mit einer Angestellten in diesem Jahr wieder flott gemacht. Doch mit Segelmachen hat der Segelmacher heute nicht mehr so viel zu tun. „Die werden in Asien viel billiger produziert, da können wir nicht mithalten." Etwa drei oder vier Handwerker gebe es im Norden noch, die neue Segel anfertigen, so Howold.

 

werkzeug

Er konzentriert sich inzwischen auf Spezialanfertigungen, die die Konkurrenz aus dem fernen Osten nicht bieten kann: Abdeckplanen, Bootsverdecke, scharbPolster, Sonnensegel, Pavillions, Zeltplanen. „Alles Einzelanfertigungen." Die individuelle Produktion von der Planung über die Zeichnung bis zum fertigen Stück, das fasziniert Howold an seinem Beruf. „Es wiederholt sich nichts."

Maßarbeit: Mitarbeiterin Sonja repariert ein Segel und verstärkt die Nähte.

Altes Werkzeug: Fitt, Marlspieker und mehr.

Und er kümmert sich darum, dass das traditionsreiche Handwerk nicht ausstirbt. An der Landesberufsschule für Segelmacher auf dem Priwall arbeitet er als Ausbilder, ist Vorsitzender bei der Gesellenprüfung und war es viele Jahre bei der Meisterprüfung. In einer Ecke seiner Werkstatt liegt noch ein Teil aus seiner eigenen Ausbildungszeit: ein kleines braunes Segel, von ihm selbst gefertigt. Eine Übung für sein Meisterstück, eine 60 Quadratmeter große Breitfock. Drei Wochen hat er dafür gebraucht.

Und in der Werkstatt steht auch noch eine schöne Holzbank, der man die Spuren eines langen Arbeitslebens durchaus ansieht. Darauf hat schon Kay Howolds Urgroßvater gesessen. Sie wissen schon, der mit dem König von Württemberg.

 

Ausbildung in Travemünde

In der Landesberufsschule für Segelmacher auf dem Priwall erhalten etwa 30 Auszubildende aus ganz Deutschland ihre theoretische Ausbildung. Im vergangenen Jahr wurden zwölf Gesellen freigesprochen.Die Ausbildung dauert drei Jahre und hat in den vergangenen Jahren für Diskussionen gesorgt. Das Bundesbildungsministerium hatte angestrebt, dass die Segelmacher-Lehrlinge bei den Textil-Konfektionären eingegliedert werden. Auch auf Druck der Landesinnung der Segelmacher wurde jedoch erreicht, dass der Ausbildungsberuf des Segelmachers als eigenständig erhalten geblieben ist. Kontakt zur Schule: Telefon 04502/887400

(Text: Petra Haase, Fotos: Tim Jelonnek)

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